Der Kirch- und Kulturverein „Gelich e.V.“, gegründet 2023 mit dem Ziel die St. Pankratius-Kirche in Gelliehausen zu erhalten, hat im Herbst einen Theaterworkshop mit dem boat people projekt angeboten. Unter dem Titel „Das gute Leben auf dem Land“ haben sich Theaterbegeisterte aus Gelliehausen und den umliegenden Dörfern zusammengefunden und an einem Wochenende ein Stück erarbeitet, das am 14. November vor begeistertem Publikum in der Kirche aufgeführt wurde.
„Die Projektidee entstand bei einem Besuch von fünf engagieren Gelliehäuserinnen im Werkraum unseres boat people projekts“, berichtet Workshop-Leiterin Natascha Wellmann-Rizo. „Sie wollten unser Theater kennenlernen und mit uns überlegen, was wir zusammen machen könnten. Gleichzeitig waren Franziska Aeschlimann und ich im Gespräch mit Anne Moldenhauer vom KAZ über ein neues Projekt zur Förderung demokratischer Strukturen im Landkreis. Uns alle verbanden die Überlegungen darüber, wie wir in dieser politischen Situation weg vom Polarisieren und hin zur Gemeinschaft und Dialog kommen können. Mit der Förderung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend konnten wir die Fäden zusammenführen. Ohne das Engagement von sieben engagierten Frauen vom Verein Gelich e.V. – ich nenne sie Die Gelliehäuser Sieben – hätte das Projekt nicht zustande kommen können. Sie haben die gesamte Organisation vor Ort, die Kommunikation mit dem Vereinsvorstand bis zu Willkommensschnittchen für die Teilnehmenden übernommen.“
Inhaltlich haben sich die Teilnehmenden mit folgenden Fragen beschäftigt: Das gute Leben auf dem Land – was bedeutet es für Alteingesessene und für Neuzugezogene? Wie funktioniert es zwischen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Lebensentwürfen? Wie schaffen wir es, in Zeiten wachsender Polarisierung den Blick auf das Wohlergehen der Gemeinschaft zu lenken, ohne die individuellen Sorgen und Bedürfnisse zu vernachlässigen?
Insgesamt haben 18 Leute am Workshop teilgenommen. Einige mit- und andere ganz ohne Theatererfahrung. Zwei davon haben zuvor bereits an einem Projekt vom boat people projekt teilgenommen, einige gehören zur Theatergruppe in Rittmarshausen. „Manche mussten ganz schön über eigenen Schatten springen, um vor einer Gruppe auftreten zu können“, erinnert sich Wellmann-Rizo, die den Workshop zusammen mit Luise Rist geleitet hat. Das Format, mit dem sie gearbeitet haben, heißt Lecture Performance. Darunter versteht man eine Form der Wissensvermittlung, bei der traditionelle Methoden des Vortragens auf kreative Aspekte treffen.
Janine Rudat

